Ein Vater erzählt im Erstgespräch, seine Tochter sei seit der Oberstufe "einfach dünnhäutiger" geworden. Kopfschmerzen vor Prüfungen, schlechter Schlaf, ständig das Handy in der Hand. Er fragt sich, ob das noch normal ist oder ob er etwas übersieht. Diese Frage begegnet mit in der Beratungspraxis regelmässig und sie ist berechtigt. Der im März 2026 erschienene Bericht KidsHealthCH des Bundesamts für Gesundheit liefert dazu erstmals eine systematische Datengrundlage für die ganze Schweiz. Er zeigt, dass die psychische Gesundheit von Jugendlichen tatsächlich unter Druck steht und zwar nicht als gefühlter Trend, sondern als belegbare Entwicklung über mehrere Jahrzehnte.

Dieser Beitrag ordnet die zentralen Befunde fachlich ein und zeigt, was sie für Eltern, Lehrpersonen und Jugendliche selbst bedeuten können.

Was KidsHealthCH misst und warum das für die Psychische Gesundheit von Jugendlichen relevant ist

KidsHealthCH ist das erste systematische nationale Monitoring-System der Kinder- und Jugendgesundheit in der Schweiz. Es wurde vom Bundesamt für Gesundheit BAG zusammen mit Interface Politikstudien und der Universität Zürich entwickelt und stützt sich auf ein sogenanntes Minimal Set of Indicators mit 100 Kennzahlen aus vier Themenfeldern: Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten, Angebot und Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen sowie Rahmenbedingungen. Die Daten stammen unter anderem aus der Studie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC), der Schweizerischen Gesundheitsbefragung und weiteren etablierten Erhebungen mit teils jahrzehntelanger Laufzeit.

Von den 100 Indikatoren betreffen 51 direkt die Psychische Gesundheit von Jugendlichen. Das allein zeigt, wie zentral dieses Thema im Kindes- und Jugendalter mittlerweile eingestuft wird. Einige Kernbefunde aus dem Bericht:

  • Depressionssymptome bei 15- bis 24-Jährigen sind seit 2017 um 46 Prozent gestiegen, die psychische Belastung um 59 Prozent.
  • Rund zwei Drittel der 11- bis 15-Jährigen berichten von wiederkehrenden psychoaffektiven Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafproblemen oder Nervosität.
  • Der schulbezogene Stress bei 11- bis 15-Jährigen hat seit den 1990er-Jahren deutlich zugenommen, besonders seit 2018.
  • Die problematische Nutzung sozialer Medien bei 11- bis 15-Jährigen hat sich seit 2018 um fast zwei Drittel erhöht, mit einem klaren Geschlechterunterschied zulasten der Mädchen.
  • Gleichzeitig ist die Kontrollüberzeugung, also das Gefühl, das eigene Leben aktiv beeinflussen zu können, bei 15- bis 24-Jährigen seit 1992 um rund einen Viertel gesunken.

Wichtig für die Einordnung: Der allgemeine Gesundheitszustand und somit auch die Psychische Gesundheit von Jugendlichen wird von der grossen Mehrheit der jungen Menschen nach wie vor als gut bis sehr gut eingeschätzt. Es handelt sich also nicht um eine generelle Krise, sondern um klar identifizierbare Risikobereiche, die vor allem Mädchen, junge Frauen und sozioökonomisch benachteiligte Gruppen betreffen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vereinfachten Aussagen wie "die Jugend von heute geht es schlecht", wie sie in sozialen Medien oft kursieren. Die Datenlage ist differenzierter und genau das macht sie fachlich belastbar.

Wo es in der Praxis sichtbar wird

In der Beratungsarbeit mit Jugendlichen und ihren Familien lassen sich die statistischen Trends in Bezug auf die Psychische Gesundheit von Jugendlichen aus dem Bericht in konkreten, wiederkehrenden Konstellationen wiedererkennen. Die folgenden Beispiele sind komposite Fallbilder, die typische Muster aus unterschiedlichen Beratungskontexten zusammenfassen, ohne reale Personen abzubilden.

Beispiel 1: Schulischer Stress und körperliche Symptome. Ein Jugendlicher in der Oberstufe kommt mit wiederkehrenden Bauch- und Kopfschmerzen in die Beratung, für die keine organische Ursache gefunden wurde. Im Gespräch zeigt sich ein Muster aus Leistungsdruck, Vergleich mit Mitschüler:innen und dem Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Genau diese Kombination aus somatischen Beschwerden und schulbezogenem Stress beschreibt der Bericht als eine der deutlichsten Zunahmen der letzten Jahre.

Beispiel 2: Soziale Medien und Selbstwert. Eine Jugendliche berichtet, sie vergleiche sich ständig mit anderen auf Instagram und fühle sich danach oft schlechter. Wichtig ist hier die fachliche Differenzierung: Nicht die Nutzungsdauer allein ist entscheidend, sondern das Nutzungsmuster. Problematisch wird es, wenn die Nutzung mit Kontrollverlust einhergeht, also wenn Jugendliche merken, dass sie eigentlich weniger möchten, es aber nicht schaffen. Diese Unterscheidung ist zentral, weil pauschale Aussagen wie "Social Media macht depressiv" die Realität verkürzen und wenig hilfreich sind.

Beispiel 3: Eltern in Sorge. Eltern kommen häufig mit der Frage, ob das Verhalten ihres Kindes noch im normalen Rahmen der Pubertät liegt oder ob Handlungsbedarf besteht. Diese Unsicherheit ist nachvollziehbar, denn Entwicklungsschritte und beginnende Belastungssymptome können sich ähnlich äussern. Eine fachliche Einschätzung hilft hier, tragfähige Entscheidungen zu treffen, statt entweder zu bagatellisieren oder unnötig zu dramatisieren.

Was das für die eigene Situation bedeuten kann

Die Zahlen aus KidsHealthCH sind kein Anlass zur Panik, aber ein guter Ausgangspunkt für ehrliche Reflexion. Für Eltern, Lehrpersonen und Jugendliche selbst können folgende Fragen hilfreich sein, um die eigene Situation einzuordnen:

  • Gibt es bei mir oder meinem Kind wiederkehrende körperliche Beschwerden, für die es keine klare medizinische Erklärung gibt?
  • Wie fühlt sich die Nutzung sozialer Medien im Alltag an: als bewusste Wahl oder als etwas, das schwer zu kontrollieren ist?
  • Wann wurde zuletzt offen über Schulstress gesprochen, ohne dass es sofort um Noten oder Lösungen ging?
  • Gibt es im Umfeld Erwachsene, denen sich das Kind oder der Jugendliche wirklich anvertrauen kann?
  • Wie hat sich die eigene Kontrollüberzeugung entwickelt, also das Gefühl, aktiv gestalten zu können statt nur zu reagieren?

Diese Fragen ersetzen keine fachliche Abklärung, aber sie schaffen eine erste Grundlage, um zu erkennen, ob ein Thema aktuell beobachtet werden sollte oder ob professionelle Unterstützung sinnvoll wäre, um die Psychische Gesundheit von Jugendlichen zu erhalten.

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Nicht jede Belastungsphase erfordert Beratung. Viele Entwicklungsschritte im Jugendalter sind vorübergehend und lassen sich mit stabilen Beziehungen im Umfeld gut auffangen. Der Bericht selbst weist darauf hin, dass die Unterstützung durch Familie und Freundeskreis bei den meisten Jugendlichen auf hohem Niveau stabil bleibt, was ein wichtiger Schutzfaktor ist.

Professionelle Unterstützung wird dann relevant, wenn Belastungen über mehrere Wochen anhalten, wenn sie den Alltag spürbar einschränken. Oder wenn Eltern, Lehrpersonen oder Jugendliche selbst das Gefühl haben, mit eigenen Mitteln nicht mehr weiterzukommen und die Psychische Gesundheit von Jugendlichen bedroht sehen. Auch wiederkehrende körperliche Beschwerden ohne organischen Befund, ein deutlicher Rückzug aus sozialen Kontakten oder ein spürbarer Leistungseinbruch in der Schule sind Anlässe, eine fachliche Einschätzung einzuholen.

In meiner Praxis in Küssnacht am Rigi bieten ich Psychologische Beratung u.a. für Jugendliche und ihre Familien an, die genau an diesem Punkt ansetzt: fundiert, alltagsnah und ohne vorschnelle Etikettierung. Je nach Situation kommen unterschiedliche Ansätze zum Einsatz, von lösungsorientierter Beratung bis hin zu Berufsberatung, wenn Schulstress mit Fragen zur eigenen Zukunft verknüpft ist. Auch für Eltern und Lehrpersonen, die eine Situation besser einschätzen möchten, ist ein Beratungsgespräch oft schon eine spürbare Entlastung.

Ich arbeite mit Jugendlichen und Familien aus der ganzen Zentralschweiz, insbesondere aus den Kantonen Schwyz, Luzern und Zug, und legen Wert auf eine fachlich fundierte, aber zugängliche Herangehensweise in Hinblick auf die Psychische Gesundheit von Jugendlichen.

Fazit und nächster Schritt

Die aktuellen Zahlen aus KidsHealthCH zeigen deutlich, dass psychische Belastungen bei Jugendlichen kein Randthema mehr sind, sondern eine Entwicklung, die ernst genommen werden sollte, ohne sie zu dramatisieren. Wer bei sich selbst, dem eigenen Kind oder in der Klasse Anzeichen wiederkehrender Belastung bemerkt, muss damit nicht allein bleiben.

Wenn Sie eine konkrete Situation einschätzen möchten oder Unterstützung für sich, Ihr Kind oder eine Jugendliche oder einen Jugendlichen suchen, nehmen Sie Kontakt auf.

Alessandra Zito Rickenbacher
Psychologin M.Sc. SBAP.
Fachpsychologin Beratungspsychologie
Fachpsychologin Notfallpsychologie
M.Sc. in Business and Economics
Eignungsdiagnostikerin nach DIN 33430

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